Es waren spanische Seefahrer, die auf ihren Entdeckungsreisen Ende des 15.
Jahrhunderts die Vögel (nahe Verwandte des heimischen Girlitz), von den
Kanarischen Inseln und Azoren mit nach Europa brachten. Die ersten Nachzuchten
erfolgten durch Mönche, die jedoch nur die gesangsstarken Hähne verkauften und
sich damit annähernd über zwei Jahrhunderte ein einträgliches Zubrot sicherten,
bis Schmuggler das Geschäft mit den Hennen entdeckten und ganz Westeuropa
versorgten. Damit war der Weg für Nachzuchten in großem Umfang frei. Ob es
tatsächlich die Bergleute waren, die sich besonders um die Nachzucht der
Kanarien bemühten, sei dahin gestellt. Tatsache ist, daß beispielsweise im
Erzgebirge, also in unserer Heimat, in vielen Stuben der Bergleute Kanarienvögel
gehalten und auch gezüchtet wurden. Erst mit dem Erscheinen des Wellensittichs
in Europa wurde der Kanarienvogel teilweise aus den heimischen Stuben verdrängt.
Heute in den zoologischen Fachhandlungen erwerbbare Kanarienvögel stammen
ausnahmslos aus Nachzuchten, die mit der Wildform nur noch wenig gemeinsam
haben, da die Zuchtziele auf Farbschläge (besonders gelb oder orange), Gestalt
(Haube) oder Gesang ausgerichtet sind.
Was sollte vor dem Kauf eines Vogels bedacht sein:
Besteht die Erwartung, daß er handzahm werden soll und einzelne Worte
sprechen, scheidet der Kanarienvogel aus. Für den Liebhaber des Gesangs ist der
ist der Kanarienvogel jedoch erste Wahl.
Ist die richtige Wahl getroffen, muß das notwendige Umfeld geschaffen werden. Da
ist zunächst die "Wohnung" des neuen Mitbewohners - sprich der Vogelkäfig.
Runde Käfige scheiden aus. Die Mindestgröße beträgt 55x30x50cm Kantenlänge.
Zur Grundausstattung gehören weiter ein Futter- und ein Wassernapf, Badehaus,
Sitzstangen, Kalkstein und bodenbedeckender Vogelsand.
Flache und breite Futternäpfe sind zu bevorzugen. Bei schmalen, hohen
Futternäpfen entsteht beim Fressen sehr schnell eine geschlossene Schicht aus
leeren Schalen. Da der Vogel kein Futter sucht, kann er hungern, obwohl an sich
Futter im Überfluß vorhanden ist.
Die Sitzstangen sollten im Durchmesser so bemessen sein, daß die Krallen nicht
die Sitzstange umfassen, damit sie abgewetzt werden können. Erfüllen die
Sitzstangen diese Forderung nicht, muß mit entsprechenden Naturzweigen Abhilfe
geschaffen werden. Angeordnet werden Sitzstangen und Zweige so, daß Futter-
und Wassernapf nicht durch Kot verschmutzt werden.
Das Badehaus ist für die Gefiederpflege unerläßlich. Das Wasser des Badehauses
und des Wasser-napfes ständig frisch zu halten versteht sich von selbst.
Vogelsand wurde beim Hersteller durch spezielle Verfahren gereinigt, entkeimt und
mit Zusätzen versehen. Sowohl Sandkörner als auch Zusätze sind für die
Verdauung und zur Deckung des Mineralstoffbedarfs zwingend erforderlich.
Spielzeug ist wünschenswert, damit sich der Vogel in Zeiten des Alleinseins selbst
beschäftigen kann.
An den Standort des Käfigs werden eine ganze Reihe von Anforderungen gestellt.
Er soll sonnig, unbedingt zugluftfrei, nicht auf oder neben Heizkörpern und nicht in
der Nähe von Radio und Fern-seher sein. Außerdem ist es wünschenswert, wenn
die Käfigunterkante sich etwa in Kinnhöhe befindet, damit sich der Vogel bei
Annäherung des Menschen an den Käfig nicht durch eine "zu große Masse"
bedroht fühlt. Hastige Bewegungen vor dem Käfig sind zu vermeiden.
Der Vogel muß sich in sein neues Heim eingewöhnen. Beschäftigen Sie sich
möglichst viel mit dem Tier. Was Sie in den ersten Wochen an Zeit investieren
zahltsich über viele Jahre aus. Sofern kein zwingender Grund besteht, greifen
Sie niemals mit der ganzen Hand nach dem Vogel. Eine solche
"Zwangsumarmung" trägt er Ihnen lange nach.
Öffnen Sie nach etwa einer Woche die Käfigtür und halten Sie einen
ausgestreckten Finger in den Käfig. Der Vogel wird ihn nach einiger Zeit als
Sitzstange akzeptieren. Am Abschluß der Einge-wöhnungsphase steht das Öffnen
der Käfigtür, sodaß der Vogel ungehindert sein Heim zum Freiflug verlassen
kann, was Wohlbefinden und Muskulatur fördert. Vögel können Glasscheiben
nicht erkennen, deshalb Fenster und Gardinen zu!
Nur ein artgerecht gemischtes Hauptfutter aus hochwertigen Einzelkomponenten,
ergänzt durch kleine und stets frische Angebote an Obst, Gemüse und Salat, wird
Ihren Pflegling gesund und munter halten.
52) Wer brachte die Kanarienvögel mit nach Europa?
a) Spanier
b) Engländer
c) Franzosen
53) Kanarienhähne können
a) sprechen
b) singen
c) singen und sprechen
54) Die Zuchtziele bei Kanarien sind
a) Farbschläge
b) Gestalt
c) Gesang
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